Randnotizen

Fluch und Segen

Ein Seismopgraph von schlechten Stimmungen und Atmosphären sein, an ihnen gewissermaßen nicht vorbeikommen – war immer Fluch und Segen zugleich! Fluch, wenn es einen kalt erwischte. Segen, wenn man deren Informationsgehalt erkannte, und man wie ein Schachspieler eine „überlegte Partie“ zu spielen verstand.

Randnotizen

Lebenskunst

Als Lebensart schätze ich den Optimismus. Den Pessimismus allerdings will ich nicht verteufeln. Denn als Pessimist kann ich nur schwer enttäuscht werden. Das ist der Vorteil.
Aber muss man sich überhaupt für das eine oder das andere entscheiden?
Kann man beides jeweils für sich nicht als hilfreiche und nützliche Stimmung ansehen?
Und müsste dann eine Maxime der wahren Lebenskunst nicht lauten:
Sei weder Optimist noch Pessimist, aber respektiere deine Gezeiten!?


Randnotizen

Im Kloster

Knarzende Treppen, hohe Decken, der Geruch von altem Holz. Die Schutzmutter über dir. Ich habe schon manch Tag in solch klösterlichen Refugien verbracht. Die eigene Größe relativiert sich in Sekunden.

Erdichtetes

des nachts

des nachts
in der dunkelheit
das plätschern
des tauenden schnees
blaue stille
gelbe lichter
kurosawa’s träume –
die brücke
über der saône
und der zug
über der straße,
nahe dem bahnhof
in lyon

Storys

Sie tanzt

An einem Nachmittag im März. Ich stehe auf dem Steg, sehe auf den See, bestaune sein grünlich schimmerndes Wasser. Im Hintergrund eine schwarze Silouette aus Bäumen, durch die das Licht der Abendsonne scheint. Von der Ferne hört man ein paar Graugänse schreien. Die Luft ist mild. Ich bin allein. Da kommt mir plötzlich ein ältere Dame entgegen. Ihr Gang ist wackelig, auf dem Kopf trägt sie einen großen Sommerhut. Die Augenbrauen hat sie markant mit grauem Kajal gezogen, ihr Gesicht ist blass. Sie hat eine kleine Tüte mit Essbarem bei sich. Als sie auf meiner Höhe ankommt, atmet sie tief durch. „Wunderbar, nicht wahr?! Wie herrlich – diese Stimmung!,“ sagt sie. Sie sagt es aus vollem Herzen. „Vor allem diese Ruhe – ungewöhnlich in der heutigen Zeit!“ Ich sage, „ja, so ist es.“ „Man muss aber auch einen Sinn haben dafür, so manchem würde das hier gar nicht auffallen, geschweige denn etwas bedeuten“, sagt sie. Wir lächeln uns an, stehen schweigend beieinander. Ich fotografiere hier und da. Es sind ein paar Minuten. Als ich den Steg schließlich verlasse, drehe ich mich nochmal um. Die Dame ist jetzt ganz allein. Sie tanzt.