Storys

Windschatten

Wir halten uns gern im Windschatten auf. Im Windschatten unserer Träume und unausgesprochenen Sehnsüchte, dachte er, als er aus dem Fluss stieg und ihr in der Hitze entgegenwankte. Er ließ sich neben ihr auf die Decke fallen, tropfnass und ausser Atem. Eine leichte Brise legte sich über sie und ihre Umschlingung. Im Schatten.

Bild von Tatyana Kazakova

Randnotizen

Menschsein

Wir müssen wieder radikaler werden, was das Menschsein angeht. Im Zeitalter des Geräteglanzes und der aseptischen Büros darf das Menschsein nicht unter die Räder kommen. Unsere Verpflichtung ist das Menschsein. Denke ich.

Randnotizen

Im Kloster

Knarzende Treppen, hohe Decken, der Geruch von altem Holz. Die Schutzmutter über dir. Ich habe schon manch Tag in solch klösterlichen Refugien verbracht. Die eigene Größe relativiert sich in Sekunden.

Randnotizen, Storys

Stadtpalaver

Wenn ich mit Zeit durch die Straßen einer Stadt gehe, schaue ich gern den Leuten aufs Maul. Eine Angewohnheit, von der ich nicht lassen kann. Wortfetzen, Ausdrücke und Sätze rauschen dann wie eilige Karawanen an mir vorbei. Ein Wortbad quasi. Und manches davon beißt sich dann derart fest, dass es mich für eine Weile unterhält. Der aufgeschnappte Text will dann einfach nicht mehr weichen. Wie neulich jener Satz: „Das müssen wir uns wirklich nicht gefallen lassen!“ Dieser Satz beschäftigte mich. Ich fragte mich, was im Leben ich mir bisher gefallen lassen musste, gefallen lassen wollte, und was nicht. Was muss sich ein Mensch überhaupt von anderen Menschen gefallen lassen? Eine interessante Frage, mit der ich mir selbst auf die Spur kam, und die obendrein die noch wichtigere Frage nach der eigenen Lebensqualität berührte. So eine Stadtbummelei, die dem Stadtpalaver folgt, kann sich lohnen und ist mir auch in anderen Fragen schon eine passable Lehrmeisterin gewesen.